Reduzieren, Weiterverwenden, Recyclen

Textilien werden meist erst dann zum Thema, wenn sie im Altkleidercontainer landen. Tatsächlich beginnt das Problem jedoch schon viel früher – nämlich bei der Produktion und beim Konsum von Kleidung.

Im Umweltschutz ist seit Langem von den „drei R“ die Rede: Reduce, Reuse, Recycle – eine Formel, die sogar in Jack Johnsons Song The 3 R’s besungen wird. Auch beim Umgang mit Kleidung lässt sich diese Idee anwenden. Nach der Nutzung bleiben im Wesentlichen drei Wege: Recycling, Weiterverwenden oder den Konsum insgesamt zu reduzieren.

Recycling

In diesem Bereich gibt es bislang nur wenige Verfahren, die im großen Maßstab funktionieren. Ein Grund dafür ist die Sortierung: Altkleider werden noch immer größtenteils mechanisch oder von Hand getrennt. Besonders schwierig sind Mischgewebe, bei denen verschiedene Fasern miteinander kombiniert werden.

Sortenreine Materialien lassen sich deutlich leichter weiterverarbeiten. Im Rhein-Main-Gebiet gibt es beispielsweise Modelle, bei denen Polyesterfasern aus Altkleidern wiedergewonnen werden können – allerdings nur, wenn sie zuvor entsprechend sortiert wurden. Unternehmen wie Reju geben an, dass bei solchen Verfahren die CO2-Emissionen deutlich niedriger liegen können als bei der Herstellung von Polyester aus Erdöl.

Weiter- und Wiederverwenden

Beim Wiederverwenden gibt es verschiedene Modelle, die alle auf demselben Prinzip beruhen: Kleidung wird länger genutzt. Genau diese längere Nutzungsdauer ist einer der wichtigsten Faktoren, um Umweltbelastungen durch Textilien zu reduzieren.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Menschen bereit sind, gebrauchte Kleidung zu tragen. Hier scheint sich in den vergangenen Jahren etwas verändert zu haben. Besonders bei jüngeren Menschen wird Secondhand zunehmend als nachhaltige und selbstverständliche Alternative wahrgenommen und ist längst nicht mehr so stark stigmatisiert wie früher. Dabei haben sich unterschiedliche Formen des Wiederverwendens entwickelt.

Gewerbliche Anbieter und Plattformen können genutzt werden, um Bekleidung, die nicht mehr passt oder nicht mehr gefällt an andere weiterzuverkaufen. Das ist aus der Perspektive des Kreislaufs zunächst einmal gut („Der Markt regelt das schon …“). Aber es lädt auch dazu ein, mehr zu konsumieren, als man tatsächlich braucht. Denn man kann es ja wieder loswerden ohne dabei Geld zu verlieren.

Eine andere Form des Wiederverwendens sind Kleidertausch-Veranstaltungen oder Tauschläden. Solche gibt es gelegentlich auch in Mainz-Bretzenheim. Das Prinzip ist einfach: Kleidung wird nicht verkauft, sondern getauscht. Häufig erhalten Teilnehmende für mitgebrachte Stücke Bons oder Wertmarken, mit denen sie sich andere Kleidung aussuchen können. Interessant daran ist, dass hier eine andere Logik des Umgangs mit Kleidung vorgeschlagen wird. In gewisser Weise stellt dieses Modell die übliche Marktlogik von Kleidung in Frage: Kleidungsstücke zirkulieren, ohne dass Geld eine Rolle spielt. Offen bleibt allerdings eine Frage: Lässt sich dieses Modell auch in größerem Maßstab organisieren?

Eine weitere Form der Wiederverwendung sind Kleiderkammern und Charity-Secondhand-Läden. Sie sammeln Kleidung, bereiten sie auf und verkaufen sie weiter, um mit den Erlösen einen sozialen Zweck zu finanzieren. Dazu zählen große Organisationen wie das DRK oder Humana; und auf lokaler Ebene auch Initiativen wie ZMO in Mainz-Bretzenheim. Auch hier gilt: Wie gut dieses Modell funktioniert, hängt stark davon ab, was tatsächlich gespendet wird und in welcher Qualität die Kleidung ist.

Fast-Fashion vermeiden – Zu viel, zu billig, zu kurz getragen

Hier liegen die eigentlichen Ursachen: im Produktionsmodell der Fast-Fashion und im Konsumverhalten, das dieses Modell ermöglicht. Viele dieser Produkte sind auf kurze Lebenszyklen ausgelegt. Das zeigt sich in der Qualität der Verarbeitung, in den verwendeten Materialien und letztlich auch in den niedrigen Preisen. Paradox ist: Secondhand-Anbieter haben für ihre Ware zwar keine Produktionskosten, können aber preislich oft nicht mit neuer Fast-Fashion-Kleidung konkurrieren. Der Grund liegt darin, dass viele ökologische und soziale Kosten der Produktion nicht im Preis der Kleidung auftauchen. Billige Kleidung ist deshalb häufig nur scheinbar billig.

Wie jede*r von uns im Kleinen helfen kann

Wer Kleidung länger nutzt, reduziert Umweltbelastungen tatsächlich messbar. Schon kleine Entscheidungen im Alltag können einen Unterschied machen:

› Hochwertige Kleidung kaufen, die lange hält und sich im Zweifel auch reparieren lässt

› Secondhand-Kleidung nutzen. Neben kommerziellen Plattformen gibt es auch viele gemeinnützige Secondhand-Läden. Wer dort einkauft oder spendet, unterstützt gleichzeitig einen sozialen Zweck (etwa lokale Projekte im Stadtteil, wie beispielsweise vom ZMO).

› Nicht mehr tragfähige Textilien richtig entsorgen, damit sie zumindest noch recycelt werden können.

Die Versuchung ist groß, Kleidung zu kaufen, die aussieht wie Haute Couture, aber nur ein paar Euro kostet. Doch diese Preise bilden die tatsächlichen Kosten selten ab. Fast-Fashion ist dafür bekannt, viele dieser Kosten auszulagern: in den Designprozessen wird vieles einfach kopiert, und vor allem die ökologischen Folgen von Produktion und Entsorgung werden letztlich von der Allgemeinheit getragen.

Secondhand kann dieses Problem nicht allein lösen. Aber jedes Kleidungsstück, das länger genutzt wird, ist ein kleiner Schritt hin zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Ressourcen. Oder, um es mit den drei einfachen Regeln zu sagen, die Jack Johnson in seinem Song besingt: Reduce, Reuse, Recycle . . .

Autor und Ansprechpartner: Amadeus Sardon (amadeus.sardon@zmo-mainz.de)

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