Jutta Hager – Aus dem Leben des Emil von Hohenstätten

Lesung im ZMO im März 2017

Aus dem Leben eines Spatzen – Eine Geschichte nicht nur für Kinder
Emil von Hohenstätten saß auf den Zweigen, die die Welt bedeuten. Diese waren etwa einen halben Meter vom Erdboden entfernt. Man habe es als von Hohenstätten nicht nötig, auf die hohen Eschen zu fliegen oder gar ganz oben im Himmel zu kreisen wie die Habichte oder Lerchen, hatten Emils Eltern immer wieder betont. Wobei, Lerchen kreisen nicht am hohen Himmel, sie flattern .
Und dieser Meinung war auch die zahlreiche Sippschaft, die sich rundum in den Büschen und auf den Plätzen verteilte. Dass Emil gar nicht in den hohen Himmel hätte fliegen können und ebenso wenig seinesgleichen, ihre kleinen Flügel hätten so ein Manöver nicht hergegeben, das ließ man hier großzügig außer Acht. Emil von Hohenstätten war schlicht ein Spatz und genau das waren auch alle anderen, alle derer von Hohenstätten. Ob diese Tatsache allerdings dem Anspruch zuwiderläuft, den man an das stellt, was wir unter Adel verstehen, mit oder ohne „von“, oder nicht, das wäre zu untersuchen. Einfacher gesagt, schlug unter Emils unscheinbaren braun-grauen Spatzenfederkleid ein mutiges, starkes und tatkräftiges Herz und hatte er ein mitfühlendes und hochherziges Gemüt, oder war er ein kleinmütiger, furchtsamer, eitler und nur auf sich bedachter, dummer Nichtsnutz? Und es dauerte gar nicht lange, da kam schon die erste Gelegenheit, das nachzuweisen.

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