Liga Pukite – Reale Märchen

Freitag 16. Oktober bis Freitag 6. November 2015

zur Ausstellung:
Ausstellung ausgewählter Arbeiten der lettischen Kinderbuchillustratorin und Malerin Liga Pukite
(Fotos von Johannes Weissgerber)

Betritt man den ZMO Ausstellungsraum in der Karl-Zörgiebel-Str. 2, wähnt man sich in einem großen Wohnzimmer. Entlang der Wände hängen im Stile einer Bilderwand  große und kleine Aquarelle, bunt gerahmt, in verschiedenen Höhen und Abständen, die eines gemeinsam haben: sie zeigen ein munteres Völkchen von musizierenden Tieren, tanzenden Elfen, Schlittschuh laufenden Mäusen und allerlei emsigen Wesen. Es ist nur zu deutlich, dass ihnen das Dasein Spaß macht. Den hat ihnen die vielfach ausgezeichnete, lettische Malerin Liga Pukite verpasst, Magisterin der Künste und selbst Mutter von drei Kindern.

Mit scheinbar leichter Hand trifft Pukite genau den Punkt. Den Flohkrebs, der an seinen vielen dünnen Beinen Absatzschuhe trägt, komisch, Oma Eule, die bei einer dampfenden Teetasse im Mondlicht die Abendzeitung liest, rührend, die Fee, die auf einem dünnen Stab, gelegt  über einem Hohlweg, die Leichtigkeit übt, in der Abenddämmerung, heimlich beobachtet vom Igel und Fuchs; wer von uns möchte das nicht auch können.

Über alledem sitzt der weise Rabe auf einem Ast und singt zur Gitarre, eines der größeren Bilder und eines derer, die Frau Pukite besonders wichtig sind. Recht hat er, sagt sie, denn das kann er, im Märchen. Wenn er nach unten schaut, hat er allen Anlass zum Singen, hier fröhlichen. Pukite erinnert an den russischen Sänger Wissotzki, der mit seiner eher krächzenden  Stimme Tausende erreichte, der eine Lichtgestalt russischer Avantgarde war.

Im Märchen geht es, dass wir unsere Träume und Hoffnungen zeigen, in das wir packen, was wir sind und was wir sein möchten – Reales in „märchenhafter Verfremdung“. Märchen als moralische Anstalt, Zuversicht stiftend; trotz böser Hexen, Habgier, Dummheit und der übrigen Todsünden siegt das Gute. Märchen als Botschafter des Lieben Gottes.

Ein märchenhafte Universum, das die Besucher derart bezauberte, dass von den sechzig ausgestellten Werken schon bei der Vernissage fünfzehn verkauft wurden. (JH)

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